Die Großstädte entwickelten sich im 19. Jahrhundert zu Verkehrs-, Kultur-, Handels- und Konsumzentren. In den Metropolen entstanden eine Reihe neuer Bauaufgaben und Bauformen so u.a. der Bau von Bahnhöfen, Theatern, Museen, Kaufhäusern und Passagen. Ebenso gewann die Verwendung neuer Materialien wie Glas und Eisen zunehmend an Bedeutung. Exemplarisch lässt sich diese Entwicklung in Paris nachvollziehen. Als Folge der baulichen Verdichtung der Großstadt im Zeitalter der industriellen Revolution entwickelte sich in Pais in den 1830er Jahren die Passagenarchitektur. Durchgänge zwischen zwei Gebäuden oder Straßen wurden mit Eisen- und Glaskonstruktionen überdacht: "Diese Passagen, eine neue Erfindung des industriellen Luxus, sind glasbedeckte, marmorgetäfelte Gänge durch ganze Häusermassen", schrie Walter Benjamin. Von weit mehr als 100 Passagen, die es um 1850 in Paris gab, sind nur noch wenige erhalten. Die Bauform der Passage wurde Mitte der 1980er Jahre "wiederentdeckt". In den Zentren der Großstädte entstanden zahlreiche neue Passagen als Einkaufgalerien. Als aktuelles und spektakuläres Beispiel einer Einkaufsgalerie gilt die Galerie oder Passage MyZeil in Frankfurt/Main, die 2009 eröffnet wurde. Im Rahmen dieses Unterrichtsbausteins wird die aktuelle Passagenarchitektur historischen Beispielen aus Paris vergleichend gegenübergestellt.