Wohl kein anderer bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts wird so als Einzelgänger dargestellt, der keiner der wichtigen zeitgenössischen Stilentwicklungen zugeschrieben werden kann, wie Amedeo Modigliani (1884 - 1920). Obwohl er sich auf die Kunst der Renaissance berief, in Pariser Künstlerkreisen verkehrte, mit Pablo Picasso oder Constantin Brancusi bekannt war, schuf er doch ein Werk, das sich gegen Zuordnungen sperrt. Im Mittelpunkt dieses Werkes steht der Mensch, sowohl in Bildern als auch in Skulpturen. Ewald Rathke nannte diese Kunstwerke "menschliche Stillleben". Modigliani hat in seiner Malerei, seinen Zeichnungen und Skulpturen einen unverwechselbaren Stil gefunden, der oft als lyrisch-melancholisch charakterisiert wird. Über das Leben Modiglianis gibt es nur wenige zuverlässige Quellen, sodass sich sehr schnell Mythen und Legenden über sein Künstlerdasein bildeten. Ein aktuelle Ausstellung der Bundeskunsthalle Bonn stellt das Werk dieses Künstlers erneut zur Diskussion. Nach dem frühen Tod des Künstlers und in Zusammenhang mit seiner sehr schnell sich ausbreitenden Bekanntheit tauchten viele Fälschungen seiner Arbeiten auf, die bis heute in den Feuilletons und Medien immer wieder diskutiert werden. Eine Biografie, wie die von Amedeo Modigliani, des Bohemiens, der ein durch übermäßigen Alkoholkonsum, Rauschgift und viele Affären geprägtes, exzessives Leben führte, ist natürlich besonders interessant als Vorlage für literarische Arbeiten und Filme. So schrieb Ken Follett 1976 den Roman "Der Modigilani-Skandal". Drei Filme wurden zum Leben des Künstlers realisiert, "Les Amants de Montparnasse" (1958), "Modi" (1990) und "Modigliani" (2004), wobei diese Filme in den Feuilletons sehr unterschiedlich beurteilt und teilweise scharf kritisiert wurden.