Deutschlands Picasso ist eine Frau: Paula Modersohn-Becker
Kunstgeschichte wird immer wieder neu geschrieben, Künstlerinnen und Künstler neu entdeckt. Eine solche Entdeckung und neue Sichtweise auf ihr Werk erfährt die Malerin Paula Modersohn-Becker aus Anlass ihres 100. Todestages in zwei großen Ausstellungen in Bremen: "Modersohn-Becker ist eine der ganz wenigen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die wirklich berühmt wurden. Dennoch wurde sie immer wieder unterschätzt, auch von ihren wohlmeinenden Interpreten. Die einen sahen in ihr jahrzehntelang die Bauernmalerin aus Worpswede. Später vereinnahmten sie die frühen Feministinnen als ihre Ikone - wohl auch wegen ihres schnittigen Doppelnamens." (DER SPIEGEL)
In ihrer Zeit bezeichneten Kunstkritiker die Arbeiten von Paula Modersohn-Becker als "groben Unfug". Die Künstlerin, die 1899/1900 erstmals und dann bis 1906 regelmäßig nach Paris reiste, um die Werke der damals in Deutschland noch unbekannten Maler Cézanne, Gauguin, van Gogh, der Künstlergruppe Nabis u.a. zu entdecken, ist aus heutiger Sicht eine bedeutende "Pionierin der Moderne". Die Kunstkritikerin Julia Voss spricht aus Anlass der aktuellen Ausstellungen von "Deutschlands Picasso ist eine Frau". Dies betrifft die Landschaftsbilder, Porträts und Stillleben der Künstlerin. Paula Modersohn-Becker war unter den deutschen Künstlerinnen und Künstlern die erste, die die Bedeutung der damaligen Avantgarde in Frankreich erkannte und Anregungen aufnahm, insbesondere die Bilder von Paul Cézanne, sie für ihr Werk abwandelte und gleichzeitig diese neue Bildsprache nach Deutschland vermittelte.
In einer einführenden Lehrerinformation werden Ziele und Inhalte einer Unterrichtssequenz zu Paula Modersohn-Becker dargestellt. Dabei stehen drei exemplarisch ausgewählte Bilder aus den Bereichen Landschaftsmalerei, Stillleben und Porträts im Mittelpunkt. Hinweise auf weitere Unterrichtsmaterialien und Medien ergänzen diese Einführung.
Paula Modersohn-Becker besuchte während ihrer Aufenthalte in Paris den Louvre, wo sie auch skizzierte. Dort entdeckte sie Beispiele ägyptischer Mumienporträts, die sie stark beeinflussten. Ein spätes Selbstbildnis wird in einem Vergleich mit ausgewählten Mumienporträts analysiert. Weiterführende Anregungen verweisen auf mögliche Vergleiche mit Selbstporträts zeitgenössischer Künstler wie Pablo Picasso.
Paula Modersohn-Becker nahm in Paris auf Einflüsse Paul Cézannes auf, vor allem seiner Stillleben. In ihren eigenen späten Stillleben wird dieser Einfluss, der allerdings in eine eigene Formensprache umgewandelt wurde, deutlich. In einer Analyse wird das "Stillleben mit Birnen, Krug und blauem Glas" aus dem Jahr 1906 vorgestellt. Vergleiche mit Stillleben von Paul Cézanne bieten sich hier an.
Der dritte bedeutende Bereich im Werk von Paula-Modersohn-Beckers ist die Landschaftsmalerei, die sich vom Naturalismus ihrer Zeit weit entfernte in der Reduktion der Bildelemente auf einfache Zeichen. Auch hier bieten sich Vergleiche zur zeitgenössischen Malerei, u.a. des Kubismus an. Die "Dämmerungslandschaft mit Haus und Astgabel" steht im Mittelpunkt einer Bildanalyse.
Eine umfassende und sehr gut bebilderte und für die Qualität ausgezeichnete Biografie der Künstlerin findet sich in der Wikipedia-Enzyklopädie:
"Vorstoß ins Glühende" überschreiben die Autoren Susanne Beyer und Ulrike Knöfel einen umfangreichen Artikel in DER SPIEGEL aus Anlass der Bremer Ausstellungen. Dabei gehen sie auch insbesondere auf die Rolle von Künstlerinnen in der Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Der Artikel findet sich im Archiv von SPIEGL ONLINE und kann gegen eine geringe Gebühr ausgedruckt werden:
Der Artikel "Deutschland Picasso ist eine Frau" von Julia Voss aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einer Vielzahl von Porträts und Kinderbildnissen findet sich im Archiv von
www.faz.net und kann gegen eine geringe Gebühr heruntergeladen werden:
"Leben. Malen" überschreibt Christa Bürger eine Kunstkritik in DIE ZEIT zum 100. Todestag der Malerin. Es ist ein sehr lesenswertes biografisches Essay, das sich unter
http://www.zeit.de/2007/38/A-Modersohn-Becker im Internet findet.
Der Dichter Rainer Maria Rilke, der mit der Künstlerin in freundschaftlicher Beziehung stand, hat nach deren Tod 1908 sein bekanntes "Requiem" geschrieben. Ein Teil des "Requiems" ist Paul Modersohn-Becker gewidmet. Der Text findet sich im Internet unter
http://www.digbib.org/Rainer_Maria_Rilke_1875/Requiem
Zu den für die Porträtmalerei von Paula Modersohn-Becker so einflussreichen ägyptischen Mumienporträts findet sich in der Wikipedia-Enzyklopädie ein umfangreicher Beitrag mit zahlreichen Bildbeispielen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mumienportr%C3%A4t