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Ratten und Mäuse

Ratten personifizierten schon in früheren Jahrhunderten Unheil und Krankheit. Im Aberglauben haben sich Hexen und Kobolde in Ratten verwandelt. Ratten galten als Pestbringer, deren man sich mt Heils-, Segens- und Bannsprüchen zu erwehren versuchte. "Der Rattenfänger von Hameln" steht zu Beginn einer literarischen Tradition mit diesem Tiermotiv, das in dem berühmten Drama von Gerhard Hauptmann Sinnbild einer verfallenden Gesellschaft ist. Der Reigen reicht bis zu Günter Grass und seinem Roman "Die Rättin", den Grass selbst illustrierte. Zu Ratten und Mäuse haben wir heute eine sehr Ambivalente Beziehung, die von Zuneigung bis zum Ekel reicht.
Ratten und Mäuse sind wichtige Labortiere bei medizinischen Experimenten und Genmanipulationen. Punker machten sie zu ihren Kulttieren, die sie öffentlich auf ihren Schultern tragen. Auch Künstlerinnen der Gegenwart wie Katharina Fritsch, Marina Abramovic oder Lili Fischer inszenierten Arbeiten in Form von Installationen oder Performances mit dem Motiv von Ratten und Mäusen. Es geht dabei um das Verhältnis von Mensch und Tier als Teil der uns umgebenden Wirklichkeit. Eine Ratte feiert gerade große Triumphe im Kino, die Ratte Remy in dem Trickfilm "Ratatouille". Aus den im folgenden präsentierten Materialien lassen sich ganz unterschiedliche Unterrichtssequenzen, auch fächerübergreifend, entwicklen. Die folgenden Materialien wurden von Gerlind Wilkes erarbeitet, die in der Galerie dieser Ausgabe des Kunstportals auch Unterrichtsergebnisse, die dabei entstanden sind, präsentiert.

Unterrichtsmaterialien

In einer einführenden Lehrerinformation werden Ziele und Inhalte dieser Unterrichtssequenz zum Thema "Ratten und Mäuse" dargestellt, ein möglicher Unterrichtsverlauf skizziert und Hinweise auf Materialien, Medien und Literatur gegeben.
 
Im Rahmen dieser Unterrichtssequenz spielen die Methoden eines handlungsorientierten und entdeckenden Lernens eine wichtige Rolle. In einem ersten Arbeitsblatt erhalten die Schüler Impulse, Hinweise und Anregungen, um zum Thema "Ratten und Mäuse" im Internet und anderen Medien (etwa Bibliotheken) Bilder und Informationen zu recherchieren. Dabei spielt der Roman von Günter Grass "Die Rättin" und Grafiken des Autors als Illustrationen seines Romanes eine besondere Rolle.
 
Ratten und Mäusen besitzen in plastischen Installationen und Raumarbeiten der Künstlerin Katharina Fritsch eine besondere Bedeutung. In einem Arbeitsblatt für Schülerinnen und Schüler werden einzelne Werke der Künstlerin und ihre Installationen "Mann und Maus" sowie "Rattenkönig" vorgestellt.
 
"Balkan Barock" ist eine der bedeutendsten Perfomances in Verbindung mit einer Videoinstallation in der neueren Kunstgeschichte. Sie wurde bei der Biennale 1997 in Venedig von Marina Abramovic präsentiert. In dem begleitenden Video erzählt sie von der "Balkan-Methode" der Ratenvernichtung, in ihrer Performance bürstete sie tagelang Fleischreste von blutigen Knochen ab. Arbeitsblatt 3 stellt diese Arbeit der Künstlerin vor.
 
Die Webseiten http://de.wikipedia.org/wiki/Marina_Abramovic bieten eine zusammenfassende Biografie der Künstlerin Marina Abramovic sowie viele Links zu weiteren Webseiten und Performances als Videos.
 
Die google-Suche und google-Bildersuche präsentiert bei der Eingabe des Suchbegriffs Ratte oder Ratten eine nicht überschaubare Fülle an Bildern und Informationen. Bei der Eingabe des Suchbegriffs Ratte erhält man über 4.700.000 Links, bei der Bildersuche weit über 100.000: http://images.google.com/imghp
 
Im Internet finden sich viele Webseiten von Rattenfreunden, eine davon ist das "Rattenparadies". Dort finden sich viele Bilder und Hinweise zur Haltung von Ratten, ebenso Links zu weiteren Webseiten: http://www.rattenparadies.com
 
"Ratten in der Literatur" - ein kurzer Text fasst dieses Kapitel in der Literaturgeschichte und die wichtigsten Texte vom "Rattenfänger zu Hameln", über "Die Ratten" von Gerhard Hauptmann, "Die Pest" von Albert Camus, "The Ratcatcher" von Roald Dahl, "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert bis hin zu Günter Grass' "Die Rättin" zusammen: http://www.fgs.snbh.schule-bw.de/see/zeitg/ratpla/rattens.htm
 
Die Wikipedia-Enzyklopädie bieten umfangreichen Artikel zu Ratten und zur Mäuse, mit vielfältigen naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Informationen, zur Beziehung Mensch-Tier, weiterführender Literatur und umfangeichen Linkslisten: http://de.wikipedia.org/wiki/Ratte und http://de.wikipedia.org/wiki/Maus
 
1940 kam der nationalsozialistische Propagandafilm "Der ewige Jude" in die Kinos. Der Film ist eines der schlimmsten Machwerke antisemitischer Propaganda, der die deutsche Öffentlichkeit weiter gegen jüdische Mitbürger aufhetzen sollte. Jüdische Bürger werden in dem Film in symbolischen Montagen mit Ratten verglichen und so unmenschliche und rassistische Ressentiments geweckt. In dem Film findet sich folgender Kommentar aus dem Off gesprochen im Kontext von Bildern, die Ratten zeigen, die aus Abwasserkanälen gekrochen kommen und sich über Lebensmittelvorräte hermachen: "Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie Vernichtung ins Land, zerstören sie menschliche Güter und Nahrungsmittel. Sie sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist in großen Scharen auf. Sie stellen unter den Tieren das Element der heimtückischen, unterirdischen Zerstörung dar - nicht anders als die Juden unter den Menschen." In der Wikipedia-Enzyklopädie finden sich grundlegende Informationen und wichtige Links zu diesem Film: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_ewige_Jude
 
"Maus - Die Geschichte eines Überlebenden", das ist der Titel des berühmten, zweibändigen Comics von Art Spiegelman, der dafür den Pulitzer-Preis erhielt. Die vom Holocaust geprägte Geschichte von Spiegelmans Vater wird als Tierfabel aufgebaut. Juden sind die Mäuse, die Nazis Katzen. Spiegelman sieht in seiner Tiermetapher eine Antwort auf die Tiermetaphern des Nationalsozialismus (Juden als Ratten und Ungeziefer): http://de.wikipedia.org/wiki/Art_Spiegelman
 
"Ratatouille" - so heißt 2007 einer der aktuellen Bestseller im Kino, in assoziativer, phonetischer Anspielung auf Rat (Ratte) und Ratatouille als besonderem kulinarisches Gericht (Gemüsetopf) aus Frankreich. Der Held des Trickfilms, die Ratte Remy, mag keine Essensabfälle wie seine Artgenossen, sein Bruder und sein Vater. Remy ist Feinschmecker und träumt davon, ein Nobelkoch zu sein. Daraus entwickelt sich eine amüsante und unterhaltende Handlung. Im Internet kann man unter http://www.kino.de/kinofilm/ratatouielle/97930/html Bilder, Kritiken, Trailer u.a. aus diesem Film sehen.
 
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