Bildschön. Fridas Kleider
Die Künstlerin und Malerin Frida Kahlo (1907-1954) ist eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhundert. Ihre Bilder bewegen sich zwischen einem magischen Realismus und dem Surrealismus. In einer fantastisch-surrealen Symbolik stellt sie ihre von Schmerzen und Verlustgefühlen geprägte persönliche Situation dar. Und sie versteht es, sich immer wieder in ihren Bildern zu präsentieren und zu inszenieren mittels ihrer Kleider: "Nach fünfzig Jahren steht das Ankleidezimmer Frida Kahlos in Mexiko erstmals offen. Die farbenprächtigen, folkloristischen Kleider, die sich bis heute mit ihrem Bild und ihrer Kunst verknüpfen, waren für sie viel mehr als Ausdrucksmittel ihrer Persönlichkeit. Keine andere Künstlerin hat es jemals verstanden, ihre Leiden in ihrem Schaffen derartig auszustellen und gleichzeitig in ihrer Kleidung zu verbergen. So raffiniert zu kaschieren nämlich, dass gerade in den Verhüllungen und Maskeraden die Schmerzen wieder durchscheinen, der gequälte Leib im Schmuck einer selbst erschaffenen Pracht aufscheint: das ist Frida Kahlos Vermächtnis. Es besteht nicht nur aus ihren Gemälden, sondern auch aus der Zurschaustellung ihrer selbst, festgehalten auf unzähligen Fotografien, für die sie sich immer wieder zubereitet hat." (Rosa-Maria Gropp) Von Ende April bis zum 9. August ist im Martin-Gropius-Bau Berlin eine umfassende Retrospektive zum Werk von Frida Kahlo zu sehen unter dem Thema "Fragen an das Werk einer Diva".
Henri Rousseau: Die Wirklichkeit als Traum
Der 100. Todestag von Henri Rousseau (1844-1910) ist Anlass einer großen Ausstellung mit Werken des Künstlers in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel. "Le Douanier" (der Zöllner) Rousseau gilt als bedeutender Wegbereiter der Moderne, was oft hinter der Kategorisierung als "Naiver" zurück trat: "Nachdem die großen Impressionisten und ihre direkten Erben einen neuen Blick auf das Sichtbare entwickelt hatten, hielt mit Rousseau eine ganz innovative Weise des Bauens von Bildern aus der Imagination Einzug in die Moderne. Entsprechend zeugt nicht nur etwa das Schaffen Picassos, Légers oder Kandinskys von der starken Ausstrahlung des "Douanier". Auch die Surrealisten, nicht zuletzt Max Ernst oder Magritte, fanden hier ein wichtiges Ingrediens für ihre Kunst." (Fondation Beyeler)
Hightech-Fertighaus: Die Libeskind-Villa
Im September 2009 wurde in Datteln unter großem Interesse der Medien ein Wohnhaus eingeweiht, entworfen vom amerikanischen "Stararchitekten" Daniel Libeskind (geb. 1946), das unter dem Begriff "Libeskind-Villa" in die Architekturgeschichte eingehen wird. Die Stadt Datteln ist der Standort der Firma Rheinzink, die ökologische Baumaterialien aus Zink herstellt, die der Architekt Daniel Libeskind bevorzugt verwendet, so beim Bau des inzwischen weltbekannten Jüdischen Museum in Berlin, dem Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, dem Westside Einkaufs- und Freizeitzentrum in Bern und anderen Bauten. Gemeinsam mit der Firma Rheinzink entwickelte Libeskind dieses "Fertighaus", das wie ein Kunstwerk in einer limitierten Serie von 30 Exemplaren weltweit gebaut werden soll. Der Preis von 2 bis 3 Millionen Dollar schränkt den Käuferkreis sicher ein. Was das Haus allerdings auszeichnet, ist eine überzeugendes, nachhaltiges und ökologische orientiertes Baukonzept. Hinzu kommt die für Libeskind typische Formensprache einer semantisch aufgeladenen Architektur.
Designanalyse: Tea & Coffee Piazza von Michael Graves
Seit der Bauhaus-Ära in den 1920er Jahren waren Architekten immer wieder auch als Designer tätig. Mehr denn je entwerfen Architekten heute auch Designobjekte. Zu ihnen gehört der amerikanische Architekt Michael Graves (geb. 1934). Graves wird der Stilrichtung der sogenannten Postmodernen zugerechnet. Seine Leistung besteht darin, wesentliche Stilelemente dieser architektonischen Entwicklung der 1970er und 1980er Jahre auf seine Designentwürfe übertragen zu haben. Als Designer war er vor allem für die italienische Firma Alessi tätig. Einer seiner bekannten Entwürfe für Alessi ist ein Tee- und Kaffeeservice, das unter der Bezeichnung "Tea & Coffee Piazza" inzwischen in die Designgeschichte eingegangen ist und im Mittelpunkt einer Designanalyse steht.
Katharina Frisch: Welt der Mythen, des Alltags und des Konsums
Katharina Fritsch (geb. 1956) gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. International berühmt wurde sie mit ihrer "Tischgesellschaft" (1988), eine inzwischen häufig reproduzierte Installation, bei der ein einzelner, schwarzgekleideter Mann 32mal mit sich selbst an einem langen Tisch sitzt als Symbol einer entindividualisierten Welt der Einsamkeit und Sprachlosigkeit. In einer großen Einzelausstellung zeigen die Deichtorhallen Hamburg aktuelle Arbeiten der Künstlerin: "Katharina Fritsch vertritt mit ihren Werken eine markante, von Humor geprägte Position zur Welt des Alltags, der Mythen und des Konsums, wobei allgemeine Symbole und Reminiszenzen, die in den Siebdrucken und Skulpturen auftauchen, eine gewisse Rolle spielen. Viele ihrer Arbeiten befassen sich mit den dunkleren Bereichen unseres kollektiven Bewusstseins, mit angstbesetzen Phantasien und Mythen, die Fritsch ikonenhaft in Objekte und Bilder umsetzt. In den letzten Jahren sind zahlreiche Siebdrucke entstanden, in denen sich Katharina Fritsch mit Alltagsklischees und typischen Kindheitserinnerungen auseinandersetzt." (Deichtorhallen Hamburg)
Remembering. Eine Installation von Ai Weiwei
Ai Weiwei (geb. 1957) ist wahrscheinlich der bekannteste chinesische Künstler der Gegenwart. Weltweite Beachtung erlangte er vor allem durch seine Arbeiten für die documenta 2007 und seine Mitarbeit am Bau des Olympiastadions in Peking. Seine künstlerische Arbeit ist u.a. durch ein kritisches, politisches und gesellschaftliches Engagement bestimmt, was ihn immer wieder Repressalien der chinesischen Behörden aussetzt. Im Spätjahr 2009 findet im Haus der Kunst München unter dem Titel "So sorry" eine große Retrospektive seines Werkes statt. Für die Fassade des Hauses der Kunst hat Ai Weiwei im Rahmen dieser Ausstellung eine großformatige Installation aus ca. 9.000 Schulrucksäcken in fünf unterschiedlichen Farben realisiert, die der Künstler "Remembering" nennt. Die Anordnung der Ranzen ergibt in chinesischen Schriftzeichen den Satz "Sieben Jahre lang lebte sie glücklich in dieser Welt". Der Satz stammt von der Mutter eines der bei dem verheerenden Erdbeben 2008 in Sichuan ums Leben gekommenen Kinder.
Zwischen Kunst und Design: Das Biennale-Café von Tobias Rehberger
Der Künstler Tobias Rehberger gestaltete für die Biennale 2009 in Venedig die Cafeteria auf dem Ausstellungsgelände der "Giardini", den Biennale-Gärten mit den Pavillons der Länder. Für diese Arbeit erhielt er den "Goldenen Löwen", den Biennale-Preis für die beste künstlerische Arbeit. Kritiker bezeichneten diese Raumgestaltung Rehbergers als "Op-Art-Camouflage". Diese Assoziationen stellen sich beim Betreten des Raumes sofort ein. Der Künstler verwendet Elemente der Op-Art und schafft so einen auf den ersten Blick verwirrenden Raumeindruck. Das Auge des Betrachters wird irritiert, es kommt zu einer vom Künstler inszenierten Interaktion zwischen Werk und Betrachter. Rehbergers Raum kann man im Schnittfeld von Kunst und Design ansiedeln. In einem Interview äußerste sich Tobias Rehberger dazu so: "Ich halte Design nicht für etwas Wichtigeres oder Interessanteres als die Kunst selbst. Es geht in meinen Arbeiten nicht darum, Design in die Kunst einzuführen. Meine Perspektive ist die eines Künstlers, aber es gibt eben verschiedene Fragesellungen, z.B. wie ich mit Design umgehe, wie ich es benutzte und wie ich darüber nachdenke, weil ich das in Beziehung zu einer Skulptur interessant finde." (Tobias Rehberger)
Bilder aus Licht: James Turrell
"Mit der Erfindung des elektrischen Lichts und seiner Verwendung in der Kunst erfüllen sich die Maler im 20. Jahrhundert den langersehnten Traum von der reinen Lichtfarbe, die losgelöst vom Pigment, frei im Raum existiert." (Ulrike Gehring) Zu den Künstlern, in deren Werk das Medium Licht im Mittelpunkt steht, gehört der Amerikaner James Turrell (geb. 1941). Angefangen bei einfachen Projektionen weißer Lichtkuben, entwickelte Turrell Environments und Installationen mit geometrischen, farbigen Lichtfeldern. 1977 initiierte er das "Roden Crater Project", bei dem der Krater eines erloschenen Vulkans zum Lichtraum umgestaltet wurde, ein gewaltiges Vorhaben, das den Künstler immer noch beschäftigt. Im April 2009 eröffnete die Hess Art Collection abseits der Metropolen im argentinischen Hochland das "James Turrell Museum", das neun Lichtinstallationen des Künstlers vereint, so auch die Arbeit "Unseen Blue" (2002), die weltweit größte Arbeit aus der Serie "Skyspace".
Der große Einzelgänger: Amedeo Modigliani
Wohl kein anderer bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts wird so als Einzelgänger dargestellt, der keiner der wichtigen zeitgenössischen Stilentwicklungen und -richtungen zugeschrieben werden kann, wie Amedeo Modigliani (1884-1920). Obwohl er sich auf die Kunst der Renaissance berief, in Pariser Künstlerkreisen verkehrte, mit Pablo Picasso oder Constantin Brancusi bekannt war, schuf er doch ein Werk, das sich gegen Zuordnungen sperrt. Im Mittelpunkt dieses Werkes steht der Mensch, sowohl in Bildern als auch Skulpturen. Der Kunsthistoriker Ewald Rathke sprach in Zusammenhang mit diesen Werk von "menschlichen Stillleben". Über das Leben Modiglianis gibt es nur wenige zuverlässige Quellen, sodass sich sehr schnell Mythen und Legenden über sein Künstlerdasein bildeten. Eine aktuelle Ausstellung der Bundeskunsthalle Bonn stellt das Werk dieses Künstlers erneut zur Diskussion. Nach dem frühen Tod des Künstlers und in Zusammenhang mit seiner sich sehr schnell ausbreitenden Bekanntheit tauchten viele Fälschungen seiner Arbeiten auf, die bis heute in den Medien immer wieder diskutiert werden. Sein Werk umfasst heute ca. 420 Gemälde, 1.000 Zeichnungen und ca. 25 Skulpturen, ein im Vergleich zu anderen Künstler, z.B. Pablo Picasso, ein sehr schmales Oeuvre.
Street Art: Wer ist Banksy
Seine Bilder und sein Name sind inzwischen weltbekannt. Er ist der absolute Vorzeigekünstler der Street Art mit seinen Schablonengraffitis, aber eigentlich weiß niemand wirklich, wer Banksy ist. Die Identität des Künstlers ist nicht geklärt: "Durch das Spiel mit der Anonymität entgeht er geschickt der Frage, ob er mehr Spaßmacher oder Künstler ist …" (Gina Thomas) Man kann nur vermuten, wann und wo der Künstler geboren wurde (1974 oder 1975 in Bristol). In Bristol ist nun auch die erste umfassende Ausstellung des Künstlers in einem Museum zu sehen. In einer 36-stündigen Aktion verwandelte er in einer Nacht- und Nebelaktion den "gediegenen eduardianischen Bau in ein Happening" (Gina Thomas), eine Art Wiederherstellung oder Umsetzung des Ateliers des Künstlers, der auch in der Verfremdung von bekannten Werken der Geschichte des Kunst keine Zurückhaltung kennt.
Andy Warhol: Porträts
Zu den herausragenden Ausstellungsereignissen 2009 gehört die Pariser Präsentation im Grand Palais von 250 Portraits des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol. "Die große Welt des Andy Warhol" - so der Titel der Ausstellung, die erstmals einen umfassenden Überblick über die Siebdruck-Porträts des Künstlers gibt. Unter den Porträtierten finden sich viele unbekannte wie weltbekannte Persönlichkeiten, wobei die wohl berühmtesten Porträts als Serie Marylin Monroe zeigen. Porträtiert hat Warhol aber auch Künstlerkollegen, unter ihnen Joseph Beuys.
Drei. Das Triptychon
"Triptychon, dreiteiliges Altarbild, fest stehend oder als dreiteiliger Flügelaltar, der aus einem Mittelstück und zwei schmaleren, beweglichen Flügeln besteht […], auch allgemein für ein dreiteiliges Bild" - so die Definition des Brockhaus' Kunst. Seit dem späten Mittelalter ist das Triptychon als Altar- und Andachtsbild von zentraler Bedeutung. Künstler knüpfen Ende des 19. Jahrhunderts an diese Tradition an, anstelle des religiösen Inhalts, z.B. der Leidensgeschichte Christi, treten nun säkularisierte Themen. Sie nehmen die "Pathosformel", die das ursprüngliche Triptychon auszeichnet, auf. Im 20. Jahrhundert gewinnt das Triptychon bei bedeutenden Künstlern wie Otto Dix, Max Beckmann oder Francis Bacon eine zentrale Bedeutung, die bis in die aktuelle Gegenwart weiter wirkt, wie eine aktuelle Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum auf eindrucksvolle Weise dokumentiert.
Balance-Akte. Die Tänzerinnen von Edgar Degas
Edgar Degas (1834-1917) ist nicht nur einer der wichtigsten Maler des Impressionismus, sondern hat auch ein bedeutendes plastisches Werk hinterlassen. In seinem malerischen Schaffen spielen u.a. Tänzerinnen und Ballettszenen eine zentrale Rolle. Degas studierte seine Darstellungen von Tänzerinnen bei unzähligen Besuchen in der Pariser Oper oder anderen Operetten- und Theaterhäusern. Entstanden sind dabei unzählige Bleistiftskizzen, Kreidezeichnungen, Pastelle und Ölbilder. Daneben modellierte Degas seine Tänzerinnen auch in Wachs: "Entstanden als Notbehelf nach der Erblindung des Künstlers, von ihm selbst in Wachs modelliert und nach seinem Tod 1917 in Bronze gegossen, polemisieren sie gegen die kalte Perfektion der klassischen Statuen ebenso wie gegen die starre Virtuosität des klassischen Tanzes. Letztlich betonen sie die menschlichen Makel, die uns erst zu Menschen machen." (Evelyn Finger)
Phänomen Farbe: Rothko und Giotto
Mark Rothko (1903-1970) gehört zu jenen amerikanischen Malern des 20. Jahrhunderts, die auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen das Wesen der abstrakten Malerei grundlegend verändert haben. Mark Rothko wurde zu einem bedeutenden Vertreter des Abstrakten Expressionismus und war Wegbereiter der Farbfeldmalerei. Bekannt wurde Rothko vor allem mit seinen ab 1949 entstandenen, großformatigen Ölgemälden, in denen Farbfelder und horizontale Farbstreifen ohne feste Konturen auf einem diffusen Farbhintergrund "schweben" und "schwimmen". Diese Farbformen erscheinen und wirken zugleich körperhaft und immateriell. Für den Maler sind es spirituelle Räume, die sich dem Betrachter öffnen. Wie viele Künstlerinnen und Künstler des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich Rothko mit der Geschichte der Kunst. So war Henri Matisse ein wichtiges Vorbild für ihn. Bei Reisen durch Italien lernte Rothko das Werk von Giotto di Bondone (1267[?]-1337) kennen, dem bedeutendsten Maler des ausgehenden Mittelalters, der mit seiner Malerei und seinem neuen Wirklichkeits- und Kunstverständnis wesentliche Impulse für die Entwicklung der Frührenaissance gab. Eine aktuelle Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie (5. 2. bis 3.5. 2009) stellt unter dem Thema "Die Berührbarkeit des Bildes" Werke von Rothko und Giotto unter den Aspekten Handlung, Farbe, Raum gegenüber.
Gerhard Richter: Abstrakte Bilder
Zu den Höhepunkten des Ausstellungsjahres 2008/2009 gehört die Ausstellung "Gerhard Richter. Abstrakte Bilder", die nach dem Museum Ludwig in Köln im Frühjahr 2009 im Haus der Kunst in München gezeigt wird. Erstmals stellt eine Ausstellung die abstrakten Gemälde Richters, einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, in dem Mittelpunkt. Entstanden sind diese Bilder seit Mitte der 1970er Jahre. "Abstrakte Bilder sind fiktive Modelle, weil sie eine Wirklichkeit veranschaulichen, die wir weder sehen noch beschreiben können, auf deren Existenz wir aber schließen können" - so äußerte sich der Künstler selbst zu seinen abstrakten Gemälden. Dazu gehören auch die Serien "Cage" und "Bach", für die das musikalische Werk dieser beiden sehr unterschiedlichen Komponisten die Anregung gab.
Bilder aus dem Reich der Rätsel: Der Maler Peter Doig
Peter Doig (geb. 1959) gilt als einer der herausragenden Maler seiner Generation. Seine Malerei wird oft mit dem Begriff "Magischer Realismus"charakterisiert, den der Kunstkritiker Franz Roh in den 1920er Jahren prägte. Mit diesem Begriff soll die Verschmelzung der greifbaren, sichtbaren und rational erklärbaren Wirklichkeit mit Elementen, die aus dem Bereich des Magischen kommen, erklärt werden. Es ist ein Kennzeichen der Kunst von Peter Doig, dass er sich vom Mainstream, das heißt von allen modischen Entwicklungen in der Malerei der vergangenen 20 Jahre, ferngehalten hat. Seine Kindheit und Jugend ist durch häufige Umzüge gekennzeichnet. Der Künstler lebte in ganz unterschiedlichen Ländern und Kontinenten und nie mehr als drei Jahre im selben Haus, wodurch Doig unterschiedliche Kulturen kennen lernte. Anfänglich nahm er ein Studium als Bühnenbildner auf, um dann in London Malerei zu studieren. Heute lebt er in Trinidad und lehrt als Professor an Düsseldorfer Kunstakademie.
© Murakami
Über dem Eingang des Frankfurter Museums für Moderne Kunst MMK steht bis Januar 2008 statt dem Namen des Museums
© Murakami zu lesen. Das Museum widmet einem der erfolgreichsten Gegenwartskünstlern, dem Japaner Takashi Murakami eine umfassende Einzelausstellung. Dafür wurde das komplette Museum leergeräumt, auch die Werke der Dauerausstellung wurden ins Depot gebracht. Das © im Ausstellungstitel verweist auf eine bisher in der Geschichte der Kunst in dieser Form nicht gekannte Verschmelzung zwischen Hoch- und Massenkultur, Kunst und Kommerz. Das Werk Murakamis basiert einerseits auf der traditionellen japanischen Kunst, dem Farbholzschnitt des 18. Jahrhunderts eines Hiroshige oder Hokusai, andererseits bedient es sich der Motive der japanischen Popkultur, vor allem der Bildwelten der Mangas.
Der Mythos des Marsyas
Von der griechischen Antike zu Robbie Williams
"Die Launen des Olymp. Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll" - so lautete der Titel einer sehenswerten und erfolgreichen Ausstellung des Frankfurter Liebighauses 2008. Der Darstellung und Inszenierung des Mythos des Marsyas, der von seinem künstlerischen Duell mit dem Gott Apoll bis zu seiner Schändung und Häutung reicht, war ein Teil der Ausstellung gewidmet. Außerdem wurde das Fortleben des antiken Mythos bis in die Gegenwart dokumentiert. In der Ausstellung war auch auf einem Sockel einer kleiner i-Pod aufgebaut, auf dem der Video-Clip zu Robbie Williams' Song "Rock DJ" (2001) ablief, der mit der Häutung des Sängers endet. Bilder und Texte zu dem Mythos des Marsyas und dem Song und Video-Clip von Robbie Williams stehen im Mittelpunkt dieses Unterrichtbausteins.
Lovis Corinth - Vater der Moderne
Der 150. Geburtstag des Künstlers Lovis Corinth (1858-1925) ist Anlass einer großen Retrospektive, die nach dem Start im Pariser Musée d'Orsay im Museum der Bildenden Künste Leipzig und in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg zu sehen ist. Corinth wurde als "Maler-Abenteurer" bezeichnet, als Grenzgänger zwischen Impressionismus und Expressionismus, der gleichzeitig einer akademischen malerischen Tradition verbunden blieb und sich in seinen späten Bildern als Avantgardist im Kontext einer "wilden Malerei" gebärdete. Für viele Künstler der Gegenwart wie Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Dieter Krieg u.a. wurde Corinth zum wichtigen Vorbild.
Georges Méliès und William Kentridge:
Die Reise zum Mond
William Kentridge gehört mit seinen Zeichnungen, Objekten und Film-Installationen zu den bedeutenden Medienkünstlern der Gegenwart. Seine künstlerische Arbeit reflektiert auch die Geschichte der Medien. Kentridge nutzt nicht nur die frühen Medienformen wie Lebensrad oder Stereoskopseher als Anregung für seine Arbeiten, sondern zitiert - vergleichbar dem Prinzip Vorbild-Nachbild in der Kunst der Moderne - Filme des Medien- und Filmpioniers Georges Méliès in seinen eigenen Animationsstreifen. So ließ sich Kentridge von Méliès' berühmtem Film "Die Reise zum Mond" zu einem eigenen Film gleichen Titels inspirieren. Beide Filme stehen im Archiv von Youtube zur Verfügung und ermöglichen ein interessantes Unterrichtsprojekt im Kontext von Filmgeschichte, Medienkunst und aktueller Kunst.
Adolph Menzel - radikal real
"radikal real" ist der Titel einer aktuellen Ausstellung mit Werken des Künstlers Adolph Menzel. Gezeigt werden nicht die großen, bedeutenden Gemälde Menzels, sondern eine Vielzahl kleinerer Zeichnungen, Skizzenbücher und farbige Skizzen. Adolph Menzel (1815-1950) wird in vielen kunstwissenschaftlichen Werken als der "bedeutendste deutsche Realist" des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Der Ausstellungstitel "radikal real" unterstreicht dies nachdrücklich. Die Ausstellung versucht, einen Blick über die Schulter des Künstlers Menzel zu werfen, um den schöpferischen Entstehungsprozess von der ersten flüchtigen Wahrnehmung bis zur durchgestalteten Komposition eines Bildes nachvollziehbar zu machen: "Seine Form- und Ideenfindung wird damit zum eigentlichen Ausstellungsgegenstand." (Hypo-Kulturstiftung)
Das Vogelnest von Peking
Am 18. April 2008 wurde das neue Olympiastadion in Peking eröffnet, dem Austragungsort der olympischen Sommerspiele 2008. Die beiden Schweizer Architekten Jacques Herzog (geb. 1950) und Pierre de Meuron (geb. 1950) gingen 2002 als Sieger eines internationalen Wettbewerbs für dieses Projekt hervor. Herzog/de Meuron sind auch die Architekten der Münchner Allianz Arena und weiterer spektakulärer Bauten weltweit. Wegen seiner Form hat das Bauwerk bereits einen Spitznamen: Das Vogelnest. Das riesige Gebäude aus einem Stahlgeflecht, das sehr schnell an ein Nest denken lässt, hat keine Mauern, keine Türen, ist überall betretbar, es ist nicht hierarchisch gegliedert und jeder Bauteil (Zweig) hat eine statische Funktion.
Peter Fischli und David Weiss - Eine Frage des Gleichgewichts
Peter Fischli und David Weiss, oft abgekürzt als Schweizer Künstlerduo Fischli/Weiss präsentiert, gehören zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Einem breiten internationalen Publikum wurden sie 1987 durch ihren bei der documenta 8 gezeigten Film "Der Lauf der Dinge" bekannt, der inzwischen zu einem Klassiker im Bereich der Künstlerfilme wurde. Das Werk dieser beiden Künstler ist durch eine Vielfalt medialer Ausdruckformen gekennzeichnet: Fotoarbeiten, Filme, Künstlerbücher, Plastiken aus unterschiedlichen Materialien, Multimedia-Installationen u. a. Im Mittelpunkt der Unterrichtsmaterialien dieser Ausgabe des Schroedel-Kunstportals stehen ihre Fotoarbeiten "Equilibres", die erstmals in einer kleinen Ausstellung 1985 gezeigt wurden. Aus Alltagsgegenständen und Küchengeräten bauten die Künstler Skulpturen voller Witz und Ironie, die nur als Fotografien erhalten geblieben sind.
Der ewige Renaissance-Held: Lucas Cranach d.Ä.
Eine Cranach-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum wurde zu einem der großen Kunstereignisse 2007/2008. Mehr als 200.000 Menschen wollten die Bilder dieses bedeutenden Renaissance-Malers sehen. Der Kunstkritiker Hanno Rautenberg bezeichnete ihn aus Anlass dieser Ausstellung neben Dürer als den "ewigen Renaissance-Helden der Deutschen, unbestritten, unhinterfragbar." Die Frankfurter Ausstellung ermöglichte eine neue Sicht auf einen Künstler, der sich weniger als Dürer an der Antike und deren Schönheitsnormen orientierte, dafür den Betrachter einlädt, "ganz intim zu werden mit der Kunst, bis auf die Nasenspitze heranzukommen." (Hanno Rautenberg) Das Sinnliche und Expressive, vor allem der Aktdarstellungen des Künstlers, faszinierte viele Künstler des 20. Jahrhunderts, denen er zum Vorbild wurde, ebenso wie die zeitgenössischen Betrachter. Im Mittelpunkt dieser Unterrichtsequenz steht eine der zahlreichen Darstellungen Cranachs zum Thema "Adam und Eva", die mit dem berühmten Kupferstich Dürers verglichen wird und in den Kontext der aktuellen Kunst und Werbung gestellt wird.
Streetart
Streetart kann man als Form von Kunst im öffentlichen Raum sehen. Künstlerinnen und Künstler, die in der Regel anonym bleiben, bedienen sich unterschiedlicher Medien wie Marker, Sprühdosen, Pochoir oder Paste-Up, um ihre Bilder an Fassaden Wänden, Bauzäunen, Telefonzellen oder anderen öffentlichen Flächen zu präsentieren. Streetart kann Ausdruck einer Jugendkultur sein wie Graffiti im Kontext von Hip Hop; es kann sich aber auch um Bilder mit gesellschaftskritischen Aussagen handeln, die sich z.B. als Kontrast zu den offiziellen Werbeflächen im öffentlichen Raum gegen Konsumismus wenden. Die meisten Streetart-Werke sind illegal angebracht, woraus sich eine kontroverse Diskussion ergibt, die Streetart als Form des Vandalismus und der Sachbeschädigung sieht. Es fällt auf, dass sich die Kunsttheorie und Kunstwissenschaft in letzter Zeit dieser Bilder annimmt und sie zunehmend zum Gegenstand von Sammlungen und Analysen macht. Über eine umfangreiche Bildsammlung zur Streetart verfügt Dr. Johannes Stahl, der diesen Unterrichtsbaustein erarbeitet hat.
Inner-Ei-Malerei
Das Ei als Symbol findet sich in den mythischen Vorstellungen vieler Kulturen weltweit wieder. Das Ei ist das Sinnbild der Gesamtheit aller schöpferischer Kräfte und des Lebens. Das Osterei, das bereits in heidnischen Frühlingsfesten als Fruchtbarkeitssymbol bekannt war, wird im Christentum zum Symbol der Auferstehung. Seine elementare Form und seine weiße Farbe, die Vielfalt der mit der Form des Eies verbundenen Möglichkeiten machen das Ei auch zum Symbol der Vollkommenheit. Viele Künstler des 20. Jahrhunderts wie Salvador Dalí, Max Ernst oder Constantin Brancusi, aber auch eine Künstlerin der Gegenwart wie Rosemarie Trockel beschäftigen sich in ihrem Werk mit Form und symbolischen Kontexten des Gegenstandes Ei. Produktion und Reflexion verbinden sich in diesem Unterrichtsbaustein zu einer Einheit, die sich kreativ und spielerisch dem Gegenstand Ei nähert. Erarbeitet wurde diese Unterrichtssequenz von Gerlind Wilkes und in einem Leistungskurs Kunst am Grafschafter Gymnasium Moers durchgeführt.
Der große Verwandler - Gustave Courbet
Bis Ende Januar 2008 ehrte das Pariser Museum Grand Palais den Maler Gustave Courbet (1819-1877), einen der bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts am Beginn der Moderne, mit einer umfangreichen Retrospektive. "Der große Verwandler" - so überschrieb der Kunstkritiker Hanno Rautenberg seine Ausstellungskritik in der Wochenzeitung DIE ZEIT (25.10.2007). Courbet, der in der Kunstgeschichte allgemein als "Erfinder des Realismus" bekannt ist, hat ein gewaltiges Werk hinterlassen, das - so die Kunstkritikerin Martina Meister - "seine Sprengkraft bis heute nicht eingebüßt hat". Courbet hatte "mit der Romantik abgeschlossen, den Realismus erfunden und den Impressionismus angedacht." (Martina Meister) Alle seine Bilder waren für Courbet "Selbstporträts". Wie keinem anderen Künstler seiner Zeit gelang es ihm, das Interesse der Öffentlichkeit auf ein damals umstrittenes Werk zu lenken.
Deutschlands Picasso ist eine Frau: Paula Modersohn-Becker
Kunstgeschichte wird immer wieder neu geschrieben, Künstlerinnen und Künstler neu entdeckt. Eine solche Entdeckung und neue Sichtweise auf ihr Werk erfährt die Malerin Paula Modersohn-Becker aus Anlass ihres 100. Todestages in zwei großen Ausstellungen in Bremen. Die Künstlerin, die 1899/1900 erstmals und dann bis 1906 regelmäßig nach Paris reiste, um die Werke der damals in Deutschland noch unbekannten Maler Cézanne, Gauguin, van Gogh, der Künstlergruppe Nabis u.a. zu entdecken, ist aus heutiger Sicht eine bedeutende "Pionierin der Moderne". Die Kunstkritikerin Julia Voss spricht aus Anlass der aktuellen Ausstellungen von "Deutschlands Picasso ist eine Frau". Dies betrifft die Landschaftsbilder, Porträts und Stillleben der Künstlerin.
Ratten und Mäuse
Eine Ratte ist der Star der aktuellen Kinoszene. Es ist die Ratte Remy im Film "Ratatouille". Eine liebenswerte Ratte. Aber die Einstellung von Menschen gegenüber Ratten und Mäusen ist sehr ambivalent. Manche Menschen sprechen vom "Süßen Mäuschen", andere springen schreiend auf die Stühle, wenn sie eine Maus sehen. Ratten sind die Kulttiere der Punkszene, "Du Ratte" gilt als üble Beschimpfung anderen gegenüber. Ratten und Mäuse sind in Forschungslaboren weltweit Versuchstiere von Wissenschaftlern. Die Beziehung Mensch - Tier interessiert mehr denn je Künstlerinnen und Künstler, so Katharina Fritsch, Marina Abramovic oder Lili Fischer. In den Materialien dieser Ausgabe des Kunstportals geht es um die Vielfalt unserer Wahrnehmung und die Vielfalt der ästhetischen Praxis von Schülerinnen und Schüler im Kontext eines thematisch orientieren Unterrichtsprojektes "Ratten und Mäuse".
Farben im Licht
Gerhard Richters Kölner Glasfenster
Vor mehr als 5 Jahren erhielt der Maler Gerhard Richter den Auftrag für eine Gestaltung des Glasfenster des südlichen Querhauses im Kölner Dom. Es entstanden zunächst zahlreiche abstrakte Entwürfe, bis der Künstler auf eine Idee aus den siebziger Jahren zurückgriff, sein Bild "4096 Farben". Auf diesem Bild hatte Richter die Farbpalette eines Druckfarbenherstellers wiedergegeben. Das Spiel mit der Farbpalette führte zu einem faszinierenden Ergebnis, einem abstrakten Kirchenfenster aus ca. 11.250 quadratischen Glasplatten.
Höhle und Trutzburg
Eine Kapelle für Nikolaus von der Flüe von Peter Zumthor
Ein im Vergleich zu Kathedralen und Domen einfacher, kleiner Sakralbau, eine Feldkapelle, wurde Ende Mai 2007 am Rande des kleinen Eifeldorfs Wachendorf nach achtjähriger Bauzeit eingeweiht. Inzwischen zieht dieses faszinierende Bauwerk, das zu Ehren des Heiligen und Einsiedlers Nikolaus von der Flüe errichtet wurde, viele Besucher an. Geplant wurde die Kapelle von dem weltbekannten Schweizer Architekten Peter Zumthor, der von dem in Wachendorf beheimateten Landwirt Hermann-Josef Scheidtweiler für das Projekt gewonnen wurde. Die Kapelle von Wachendorf ist ein besonders gelungenes Beispiel für das Zusammenwirken von Bauherr und Architekt, ebenso ein Beispiel für die Einbeziehung regionaler Bautraditionen, Bauweisen und Baumaterialien. Der Faszination und Atmosphäre des Innenraums dieser Kapelle kann sich kein Besucher entziehen.
Goldfinger im Kanzleramt
Die Tradition, sich als scheidender Bundeskanzler von einem Künstler seiner Wahl porträtieren und das Bild in die Galerie im Kanzleramt eingehen zu lassen, hat der frühere Kanzler Helmut Schmidt begründet.
Die Übergabe des Immendorff-Porträts von Ex-Kanzler Gerhard Schröder an seine Nachfolgerin Angela Merkel war neben der Documenta 12 im Juli 2007 ein Kunstereignis, das es auf die Titelblätter fast aller deutschen Tageszeitungen und in die Feuilletons brachte …
Edle Einfalt - Bunte Götter
Unser Bild der Antike ist immer noch weitgehendst von der idealen Vorstellung monochromer, weißer Skulpturen aus Marmor und weißer Tempel geprägt. Diese Vorstellung ist auf die ästhetische Theorie und das Kunstverständnis des Klassizismus, insbesondere auf Johann Joachim Winckelmanns Schriften zurückzuführen. Doch schon seit dem 18. Jahrhundert war durch zahlreiche antike Schriftquellen bekannt, dass Skulpturen und Architektur bemalt waren. Neue mikroskopische und fotografische Untersuchungsmethoden haben zu präzisen Kenntnissen und Aufsehen erregenden Rekonstruktionen der Farbigkeit geführt, wie eine aktuelle Ausstellung des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe zeigt. Im Gegensatz dazu koloriert der Künstler Hans-Peter Feldmann auf triviale Art und Weise Kopien antiker und klassizistischer Skulpturen.
Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes- Das ernste Leben eines lächerlichen Mannes
Der Künstler Erwin Wurm
Der österreichische Künstler Erwin Wurm erkundet die Grenzbereiche zwischen den verschiedenen Ebenen von Aktion, Performance und Skulptur, übersetzt die Skulptur in die zeitgenössische Medienwelt" - so die Hamburger Deichtorhallen zu der aktuellen, bis 2. September 2007 dauernden Ausstellung des Künstlers Erwin Wurm, der eine der meist diskutierten und interessantesten Erscheinungen der Kunstszene ist ...
Mythos documenta - 100 Tage Kunst in Kassel 2007
Seit 1955 findet alle 4 bis 5 Jahre in Kassel die documenta statt, inzwischen als "Weltkunstschau" oder bedeutendste Ausstellung der Welt bezeichnet. Vom 16.6. bis 23.9.2007 wird Kassel für 100 Tage im Blickpunkt der Kunstwelt stehen. Die vom Leiter der documenta 12 Roger M. Buergel formulierten konzeptionellen Fragen der Ausstellung lauten: "Ist die Moderne unsere Antike?", "Was ist das bloße Leben" und "Bildung: Was tun?". Darauf versucht die documenta 12 gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt und mit den Besuchern Antworten zu finden...
NICHTS IST SCHÖN - ALLES IST WAHR
Caravaggio
Mehrere bedeutende Ausstellungen, nicht nur in Deutschland, setzten sich in den vergangenen Jahren mit der Kunst Caravaggios (1571-1610) auseinander. Aufgrund einer für seine Zeit völlig neuartigen Gestaltungsweise gilt er als einer der innovativsten Maler des Barock, der prägend auf nachfolgende Malergenerationen wirkte. Seinen Zeitgenossen war er aber zugleich für sein aufbrausendes Temperament bekannt, das ihn oftmals in Tätlichkeiten verstrickte …
WIRKLICHKEIT ALS KONSTRUKT
Der Fotograf Andreas Gursky
Zu den bedeutendsten und schon im Vorfeld in zahlreichen Medienberichten besprochenen Ausstellungen des Jahres 2007 zählt die Ausstellung mit Fotografien von Andreas Gursky im Haus der Kunst in München (bis 13. Mai 2007). Die aus verschieden digitalen Fotografien am Computer komponierten Bilder zeigen Phänomene der globalisierten Welt ...
ADAM ELSHEIMER
Ein Maler des Barock wird neu entdeckt
Adam Elsheimers kleinformatiges, mit ungeheurer Präzision und unter Zuhilfenahme einer Lupe auf einer Kupferplatte gemaltes Bild “Flucht nach Ägypten” (1609) gehört zu den bedeutendsten Beispielen der Landschaftsmalerei des Barock. Nun haben Astronomen das Motiv des Sternenhimmels in diesem Bild in den Mittelpunkt gerückt – und Erstaunliches entdeckt ...
UMSTRITTEN
Hitlers “Lieblingsbildhauer” Arno Breker
Mit seinen glatten, idealisierenden Aktplastiken avancierte der Bildhauer Arno Breker schnell zum “Liebblingsbildhauer” Hitlers. Zeitgenossen sahen in seinen monumentalen Werken die Verkörperung des “Gesunden und Starken”. – Darf man Breker heute zeigen? Im Juli 2006 entfachte eine Ausstellung in Schwerin eine heftige Kontroverse über den Umgang mit dem Werk des 1991 verstorbenen Künstlers ...
SPRÜHENDE IDEEN
Keith Haring
Der amerikanische Künstler Keith Haring, der an einer Aids-Erkrankung schon im Alter von 31 Jahren starb, wurde durch seine Kreidezeichnungen auf schwarz abgedeckten Werbeflächen in New Yorks U-Bahnhöfen bekannt. Sein Name ist eng mit der Kunst des Graffiti verbunden. Seine Bildmotive wie das “Strahlenbaby” oder der “Bellende Hund” sind heute weltweit verbreitet und populär ...
UND SIE BAUTEN EINE BURG
Der Burgenbau von Guédelon
Steinmetze, Zimmerleute und Maurer bauen seit 1997 streng nach den Regeln mittelalterlicher Bau-und Handwerkskunst eine Burg inmitten einer idyllischen Wald- und Wiesenlandschaft Burgunds. In ungefähr 25 Jahren soll das Bauwerk fertiggestellt sein. Bauhistoriker und Archäologen erhoffen sich von diesem Projekt inzwischen zahlreiche Aufschlüsse über die Bautechniken vergangener Epochen ...
CHARAKTERKÖPFE
Mimische und physiognomische Studien
Mit Beginn der Renaissance wurde das Naturstudium zu einer wesentlichen Grundlage künstlerischer Arbeit. Im Kontext der Entwicklung der Porträtkunst beschäftigten sich Künstler von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert mit der Darstellung der menschlichen Mimik und Physiognomie als Ausdruck von Emotionen ...
IM BETONBERG DES HERREN
Die Kirche St. Pierre in Firminy von Le Corbusier
Architekturkritiker feiern es weltweit als “Wunder”: 40 Jahren nach dem Tod eines der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts, Le Corbusier, wird die von ihm entworfene Kirche St. Pierre in der französischen Kleinstadt Firminy vollendet. Mit Le Corbusiers Material Beton entstand, so die Kritik, ein Raum der Poesie, der nicht als Kirche geweiht wurde, sondern als Kulturzentrum dienen soll ...